(M)eine Evolution als Trainer (II)

Artikel veröffentlicht: 20 Juni 2020

Im heutigen Post geht es weniger um meine Evolution als Trainer als vielmehr um die als Coach. Dort kann man man sie leichter erkennen, aber ich veröffentliche den Post unter gleichem Titel, da ich von der Art des Denkens und Handelns sowieso nicht unterscheide. Aber nun zum Inhalt.

Kennen Sie das Experiment von Pawlow? Sie wissen schon: der mit seinem Hund, den er so konditionierte, dass er auch sabberte wenn nur die Klingel ertönte und es gar kein Futter gab. Ähnliches stelle ich auch gern bei Vertretern meiner Berufszunft fest – gerade bei thematisch jüngeren Kandidaten.

3 Situationen – 1 Ergebnis

Situation 1: ER und SIE sitzen zuhause auf dem Sofa und berichten sich über den Arbeitstag. SIE macht gerade eine Coachingausbildung. ER: “ Jetzt fang nicht schon wieder mit deinem Coachingdings an. Ich wollte dir nur erzählen, dass der Hinterhuber mir wieder…“.

Situation 2: Zwei Arbeitskollegen treffen sich in der Kaffeeküche und kommen auf die schräg verlaufene Projektsitzung. EINER beklagt sich, wie der Projektleiter ziemlich autoritär Einwände unterbunden hat und wie frustriert er jetzt doch ist. Der ANDERE hat eine Coachingausbildung…

Situation 3: SIE und der ANDERE in der Coachingausbildung. Ihr Ausbilder bringt ihnen gerade ein neues Format bei (Anm.: So nennen „wir“ einen festgelegten Ablauf einer Trainings- oder Coachingmethode): „… und dann sagt ihr wörtlich … Lernt das zur Sicherheit auswendig! So funktioniert das am Besten, weil der Ausdruck… Und bleibt genau bei diesem Schritt-für-Schritt-Ablauf!“

Kochbuch oder Freestyle?

Warum haben die Gesprächspartner in den ersten beiden Situationen sofort erkannt, dass ihr Gegenüber jetzt in den Coachingmodus verfallen ist oder das zumindest überlegt hat? Naja, das resultiert häufig aus Situation 3. In Ausbildungen wird gern diese Haltung an den Tag gelegt „Mach und sag das genau so und so, dann funktioniert es auch“. Und das ist auch gut so, denn

  • die Lernenden erhalten so viel Stoff und Neues, dass es sie überfordern würde, wenn sie auch noch lernen sollen was man bei einer Freestyle-Anwendung dabei beachten muss. Sie erhalten dadurch Sicherheit und quasi eine erprobte „Geling-Garantie“.
  • Freestyle-Anwendungen erfordern Praxis und eine sichere Anwendung, um zu verstehen, was man wodurch auslösen kann und
  • es wird damit auch eine Klarheit und Einheitlichkeit in den Methoden und Formaten gewährleistet. Coach weiß, wovon ein anderer Coach spricht.

Das ist wie beim Kochen und Backen. Meine Frau zum Beispiel ist ein absoluter Kochbuch-Anwender. Fehlt ein kleines Gewürz, kann das Gericht nicht gekocht werden. Kochbuch-Anwendung gibt Sicherheit, eine Geling-Garantie (meistens zumindest 😉 ) und das Ergebnis schmeckt immer gleich gut.

Meine Evolution als Coach

Ich dagegen bin der Freestyle-Kocher. Das Prinzip und die Hauptzutaten müssen stimmen. Kleinigkeiten sind austauschbar. Hinterher sollte man aber das Gericht erkennen können. Gulasch sollte nicht als Bolognese identifiziert werden können. Nun ja, es schmeckt nicht immer gleich, aber das macht für mich den Reiz aus.

Lange habe ich auch nach Kochbuch gecoacht und trainiert. Mit der Zeit habe ich dann variiert, umgestellt oder eigene Worte verwendet. Meist mit einem kleinen schlechten Gewissen im Hinterkopf. Dennoch hat es gut funktioniert. Seit einiger Zeit mache ich das ohne schlechtes Gewissen und voller Stolz Freestyle. In einer Fortbildung bei meinem Kollegen Ralf Stumpf ging es genau darum. Die Grammatik einer Methode (in diesem Fall NLP – ein Klassiker der Kochbuch-Anwendung) zu verstehen und nicht nur Sätze auswendig gelernt zu sprechen. Eines meiner persönlichen Highlights beruflicher Entwicklung. Natürlich ist Freestyle nicht zu verwechseln mit dem Pippi-Langstrumpf-Prinzip („ich mach mir die Welt, so wie sie mir gefällt“)! Als Trainer und Coach muss man genau wissen, was man womit auslösen kann und warum ich wie variieren kann. Sonst gelingt das Gericht nicht. Gerade im Coaching wäre das der GAU. Das darf nicht passieren.

Fazit

Ob Kochbuch- oder Freestyle-Anwendung – das sagt meines Erachtens nicht unbedingt etwas über die Qualität des Ergebnisses aus. Eher etwas über Flexibilität und darin wie mein Gegenüber sich fühlt. Ob in einem offiziellen Coachinggespräch oder „gut beraten“ in Alltagssprache (vergleiche Situation 1 und 2 oben). Aber das bedarf Übung. Es ist nicht einfach aus dem Kochbuch-Modus in Freestyle überzugehen. Das ist ein bewusster Prozess. Für mich ist er lohnend, befreiend und es macht noch mehr Spaß zu Coachen und zu Trainieren.

Die Evolution als Trainer und Coach bleibt somit spannend und ein dauerhaftes Erlebnis!

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Maik Riess
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